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Kinderfeindliche Gesellschaft

Nun wissen alle Bescheid. Dass Frauen zwischen Erwerbs- und Familienarbeit frei wählen können sollten, war eine Lüge - von Anfang an. Diejenigen, die sie in die Welt setzten, haben jetzt ihr wahres Gesicht gezeigt: "Die demographische Lücke bei der Rente kann durch Einwanderung und mehr Frauenerwerbsarbeit geschlossen werden", ließ die  grüne Familienpolitikerin Irmgard Schewe-Gerigk wissen. Das Mitglied der Enquete-Kommission "Demographischer Wandel", daher bestens über die Vergreisung der Deutschen informiert, reagierte so auf die Forderung des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, der eine aktive Familienpolitik angemahnt hatte.

In einem Interview hatte Stoiber offen gesagt, was andere nur hinter vorgehaltener Hand tuscheln: " Wir haben zu wenig Kinder. Und das in einem besorgniserregenden Maße". Der CSU-Vorsitzende beklagte, Deutschland sei auf dem Weg zu einer kinderfeindlichen Gesellschaft. " Wir haben gesellschaftspolitisch zu einseitig die beruflich Erfolgreichen  und global Mobilen zum Idealbild von Mann und Frau gekürt. Da bleibt kaum Zeit für Kinder", so Stoiber

weiter. Die Antwort folgte auf dem Fuße.

Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, Karin Junker, fragte, ob Stoiber  "Deutschlands Frauen wieder Heim und Herd schmackhaft machen" wolle und triumphierte, das werde ihm nicht gelingen. Schließlich könnten Frauen heute über Kinderzahl und Zeitpunkt von Geburten selbst entscheiden. Und Familienministerin Bergmann (SPD) lehnte unlängst die Einführung eines Erziehungsgehaltes vor allem deswegen ab, weil dann viele Frauen aufhörten, erwerbstätig zu sein.

Aus der angeblichen Wahlfreiheit ist längst ein Zwang geworden. Stoiber, der wusste, dass er sich unbeliebt machen würde, gebührt Respekt. Vom Tisch gehört nun auch der zweite Teil des Märchens, der Erwerbs- und Erziehungsarbeit generell für vereinbar erklärt, in der irrigen Annahme, Arbeitgeber und Kinder gäben sich mit halben Müttern und Vätern zufrieden. Was die einen nicht wollen, können die anderen nicht.

Die Tagenspost vom 12 August 2000

 Warum fahre ich zum Weltjugendtag

Thomas Steimer (25), Student

Die Weltjugendtage lernte ich 1997 in Paris kennen. Ich hatte mich zusammen mit einem Freund angemeldet, ohne von diesem Treffen etwas Besonderes zu erwarten. Doch was dann kam, hätte ich nicht im Traum für möglich gehalten: Hunderttausende von Gleichaltrigen, die ihren Glauben mit einer Selbstverständlichkeit feierten, die ich in der Heimat nie gewohnt war. Der Besuch der Hl. Messe, Rosenkranzgebet, Katechesen, Beichte, Zustimmung zu Glaubenswahrheiten - alles Dinge, die selbst in katholischen Gegenden Deutschlands als ungewöhnlich, wenn nicht exotisch gelten, waren  hier völlig normal. Dabei waren die meisten Teilnehmer keine frömmelnden Schwärmer - die gab es natürlich auch - sondern ganz normale Jugendliche. In der ganzen Stadt traf man sie an bis spät in die Nacht feiernd, lachend, singend. Am Donnerstagnachmittag befanden wir uns schließlich mit einer halben Million Altersgenossen auf dem Marsfeld, um den Papst zu begrüßen. Um uns herum eine wogende Menge begeisterter Jugendlicher, die nicht einem Musikstar zujubelten, sondern einem alten Mann, der angeblich von der Lebenswirklichkeit der Jugend keine Ahnung hat. Dass unter den 1,2 Millionen, die an der Abschlussmesse am Sonntag teilnahmen, gerade knapp 8000 Deutsche waren, fand ich ebenso traurig wie beruhigend. Traurig, weil so viele die unvergleichlichen Erfahrungen eines Weltjugendtages verpassten. Beruhigend, weil man in Paris sehen konnte, dass die Weltkirche notfalls auch ohne die Deutschen klar kommt und die vielen kleinen Problemchen, mit denen wir zu Hause um uns selbst kreisen, aus internationaler Perspektive auf einmal unwichtig wurden.  - Wir wollen uns bemühen, der Weisung des Papstes zu folgen, gestärkt durch die Sakramente die Welt im christlichen Sinne zu gestalten und eine Zivilisation der Liebe und des Friedens aufzubauen.

 

 

 

 

 

Forschung ja, aber in tiefer Ehrfurcht vor dem Leben

Von Weihbischof Andreas Laun

Ein Nobelpreisträger machte kürzlich den Vorschlag, Babies nicht sofort und “ung'schauter” wie man in Österreich sagt, das Menschenrecht auf Leben zuzuerkennen, sondern erst, wenn man buchstäblich “geschaut” hat, nämlich geschaut, ob die Gene wohl alle in Ordnung sind... Ähnlich der über Nacht bekannt gewordene Philosoph Sloterdijk: “Es ist ein heute von den meisten Frauen selbstverständlich in Anspruch genommenes Recht, in einer Art Notwehr gegen biologisch deformiertes Leben bis zu einer bestimmten Frist Abtreibungen auf der Basis medizinischer Indikatoren durchzuführen. Das... gehört heute bereits zu dem, was wir als Menschenrecht bezeichnen, darüber wird heute gar nicht mehr geredet.” Auf den Einwand, dass die Katholische Kirche sehr wohl “darüber” rede, meinte Sloterdijk gönnerhaft: Das ist eine “Minderheitendebatte”!

 Aber so makaber diese “Töne” sind, sie dürfen uns nicht hindern, zuerst einmal gut katholisch festzuhalten:

Grundsätzlich freut sich die Kirche über jeden wissenschaftlichen Fortschritt, schon deswegen, weil ihr alles Erkennen irgendwie verwandt zu sein scheint mit ihrem Urauftrag, das Geheimnis Gottes zu enthüllen und zu verkünden. Andererseits hält sie sich zurück, weil sie weiß, wofür sie zuständig ist und wofür eben nicht. Ihr Beitrag zur Genetik ist daher folgerichtig kein direkter. Sie erhebt erst ihre Stimme, wenn es darum geht zu sagen, was der Mensch ist und was mit welcher Wahrscheinlichkeit oder Sicherheit schon Mensch ist und was man mit Menschen tun darf und was nicht.

Eine der wichtigste Einsichten, die die Kirche beisteuert, lautet: Man kann nicht ein “bisserl” Mensch sein, mehr oder weniger Mensch, so dass dann auch der Umgang mit dem “bisserl Mensch” ein anderer, “großzügigerer” sein dürfte als mit dem “ganzen” Menschen. Nein, es gibt nur “ganze Menschen”, durch die Seele wird aus dem Gebilde von Zellen eine Person, und diese Seele ist unteilbar. Der Mensch besitzt darum alle Rechte eines Menschen vom ersten bis zum letzten Augenblick seiner Existenz. Natürlich, er kann sie nicht immer wahrnehmen (zumal er ja auch im Vollbesitz seiner Kräfte schlafen gehen muss...), aber das ist kein Grund, ihm einzelne oder alle oder vor allem das grundlegende Rechte auf Leben, zu nehmen.

Der Zeitgeist-Wind weht uns nicht nur ins Gesicht, sondern scheint die “Säule der Wahrheit”, die die Kirche nach Paulus ist, umzuwerfen wie ein Sturm den morschen Baum: Was soll ein solcher Einspruch, wenn doch die “Mehrheit” anders denkt (da hat Sloterdijk recht)? Und was noch mächtiger ist als die Zahl der Meinungen: Die finanziellen Interessen in Milliarden-Höhe sprechen dafür, den Machern im Gen- Gebiet freie Hand zu lassen.

Damit ist schon das nächste Stichwort gefallen: die Freiheit, in diesem Fall die Freiheit der Forschung und der Wissenschaft. Die Kirche möge sich unterstehen, so könnten böse Zungen meinen, die Freiheit zu beschränken! Sie sollte es nur versuchen, es sei nutzlos, aber damit zeige sie einmal mehr, wie menschenfeindlich sie sei. Wie, das “Gebot Gottes” steht dagegen? Aber dieses sei doch, milde gesagt, in einer ganz anderen Zeit und unter ganz anderen Bedingungen formuliert worden; von Menschen natürlich. Aber wie auch immer, politisch korrekt ist der Begriff auf gar keinen Fall, und also sollte man ihn nicht verwenden. Wenn jemand ihn dennoch, vielleicht aus nostalgischen Gründen, verwendet, sollte er wenigstens hinzufügen: Orientierungshilfe, aber Gebot – nein danke, da könnte man versucht sein, an richtigen “Gehorsam” zu denken, und das sei doch eher “faschistoid”. Die “Säule der Wahrheit” ein morscher Baum im Sturm? Nein, ein ewig junger Stamm, der sich manchmal neigt, aber nie bricht. Zwei- tausend Jahre Sturm haben es bewiesen: Diese “Säule” bricht nicht, sondern richtet sich immer wieder auf, und wenn die gestrigen “Stürme” vorbei sind, erwartet die Kirche gelassen die kommenden: auch sie werden sie nicht brechen können.

Die Kirche warnt: Haltet das Leben des Menschen heilig, redet euch doch nicht ein, ihr wüsstet nicht, wann der Mensch beginnt zu sein! Glaubt nicht, ihr werdet sein wie Gott, wenn ihr weiter macht. Das hatten wir schon und es hat uns den Tod gebracht. Wenn ihr die Embryos dem Tod ausliefert, kommt er früher oder später auch über euch selbst. Forschung ja, aber in tiefer Ehrfurcht vor dem Leben des Menschen. Was ist eigentlich geschehen, dass man fragen muss: Forschung oder Mensch? Die Frage so stellen, heißt sie beantworten: Was ist ein “Forschungs-Ergebnis” im Vergleich zu einem Menschen? Wenn er ein Organismus unter anderen wäre, ja dann gewinnt die Forschung, und als einzige ethische Schranke bleibt das Tierschutzgesetz. Was aber, wenn der Mensch nach dem Bild Gottes geschaffen und bestimmt ist für die Ewigkeit? Jeder kann die Antwort “fassen” – er braucht nur in seinem Herzen nachlesen – und fasse sie!

 

 

Die Tagenspost vom 12 August 2000