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ALFA Newsletter vom 7 Oktober 2000

 

 

31.10.2000

   
ALfA-Newsletter vom 31.10.2000

+ Kontroverse um Biopatente quer durch die Fraktionen

+ Embryo-Herzklappe erstmals geoeffnet

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Berliner Zeitung, 31.10.2000

+ Kontroverse um Biopatente quer durch die Fraktionen

Wirtschaftspolitiker und Bioethiker uneins ueber Gen-Rechte

Christian Schwaegerl

BERLIN, 30. Oktober. Die Frage, ob das Erbgut selbst patentierbar sein

soll, verursacht schon vor der ersten Beratung im Bundestag Streit quer

durch die Fraktionen. Den Konsensfindern und Meinungsmachern in den

Parteien steht viel Arbeit bevor, soll das Gesetz rasch in Kraft treten.

Mitte Oktober hatte das Biopatent-Gesetz bereits im Bundeskabinett fuer

viel AErger gesorgt - zwischen SPD und Gruenen, zwischen Forschungs- und

Justizministerium. Erst nach mehreren Spitzenrunden konnte das

Kanzleramt den Kompromiss vermitteln, das Gesetz jetzt zu beschliessen,

aber spaeter auf EU-Ebene Verbesserungen in der Gen-Patentpraxis

einzufordern.

Nun setzen die Fraktionen die Kontroverse fort. Bei den Gruenen haelt

die Gesundheitspolitikerin Monika Knoche die Vorlage fuer "schlicht

grundgesetzwidrig". Sie opponiert damit gegen

Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Gruene), die dem Gesetz

zugestimmt hat, und gegen den konsensfreudigen Fraktionschef Rezzo

Schlauch. Knoche und der Umweltpolitiker Reinhard Loske argumentieren,

Rot-Gruen solle erst in Bruessel taetig werden und danach ein

runderneuertes Gesetz beschliessen.

Ginge es nach den Kritikern, waeren die Gene selbst nicht mehr

patentierbar, weil sie eine Erfindung der Natur seien und nicht der

Wissenschaftler. Nur fuer technische Verfahren und Produkte koennte es

Patente geben. Knoche kritisiert zudem einen mangelhaften Schutz vor

Embryo-Patenten und vor Datenmissbrauch.

Damit findet die Gruene Sympathie auch in der CDU/CSU. Hubert Hueppe

gibt zwar unumwunden zu, in seiner Fraktion eine Spezialmeinung zu

vertreten, doch immerhin ist der Abgeordnete stellvertretender

Vorsitzender der Enquetekommission "Recht und Ethik der modernen

Medizin". Er ruft dazu auf, die Biopatent-Richtlinie nicht umzusetzen.

Eine entgegengesetzte Linie hat die stellvertretende

Fraktionsvorsitzende Maria Boehmer ausgegeben: So schnell wie moeglich

muesse der Beschluss her. Die boomenden Biotechfirmen braeuchten endlich

Rechtssicherheit, wie sie ihre teuren Erfindungen vor Konkurrenz

schuetzen koennten. Ebenfalls aus Sorge um den Wirtschaftsstandort

argumentiert in der FDP-Fraktion der stellvertretende Vorsitzende Rainer

Bruederle. Er kommt aber zu dem umgekehrten Schluss, dass Patente auf

das Erbgut der Bio-Branche mehr schaden als nutzen. Kleine Firmen

haetten kaum Chancen zu wachsen, wenn die Grossen auf patentierten Genen

saessen, sagt er: "Wir muessen da sehr restriktiv sein." Bruederles

Fraktionskollege Ulrich Heinrich dagegen, ein Agrarpolitiker, setzt im

Wochentakt flammende Plaedoyers fuer das Biopatent-Gesetz ab.

Auch die SPD zeigt sich gespalten. Die Bioethik-Experten René Roespel

und Wolfgang Wodarg opponieren heftig, Rechts- und Wirtschaftspolitiker

befuerworten das Gesetz. Einzig die PDS zeigt sich geschlossen in ihrer

Ablehnung. Kein Wunder: Mit dem Thema beschaeftigt sich in der kleinen

Fraktion nur der Abgeordnete Ilja Seifert.

http://www.BerlinOnline.de/aktuelles/berliner_zeitung/politik/.html/31artik098346.html

Salzburger Nachrichten, 31.10.2000

+ Embryo-Herzklappe erstmals geoeffnet

Linzer Spezialisten gelang ein sensationeller Eingriff bei einem

Ungeborenen in der 27. Woche der Schwangerschaft einer 25-jaehrigen

Wienerin.

LINZ (SN, APA).

Ein sensationeller Eingriff, der bisher weltweit noch nie durchgefuehrt

worden war, gelang jetzt AErzten der Landesfrauenklinik und der

Landeskinderklinik in Linz. Bei einem Embryo im Mutterleib wurde eine

voellig "verschlossene" Herzklappe in einer komplizierten Operation

geoeffnet und gedehnt. Der Eingriff gelang, der Zustand des Ungeborenen

hat sich bereits deutlich gebessert.

Der Embryo befindet sich derzeit in der 27. Woche, die Mutter - eine

25-jaehrige Wienerin - liess eine Untersuchung durchfuehren, wobei ein

massiver Herzfehler des Foetus diagnostiziert wurde. Die rechte

Herzkammer, die fuer den Lungenkreislauf verantwortlich ist, war voellig

verkuemmert, weil die entsprechende Herzklappe komplett "verschlossen"

war. Die Situation war fuer den Embryo lebensbedrohend, er hatte zu

diesem Zeitpunkt keine Chance, die Zeit bis zur Geburt zu ueberstehen.

http://www.salzburg.com/sn/00/10/31/wissenschaft-8206.html

 

Weitere Informationen zum Lebenrecht:

http://www.alfa-ev.de