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Zitatesammlung von Reinhard Frisch Erkenntnis
Bildung und Wissenschaft: Der
F o r t s c h r i t t s g l a u b e als Schutzschild gegen die Angst vor
dem Tod darf nicht in Frage gestellt werden. Und so kommt es zu der eigenartigen
Erscheinung, daß manche Menschen mehr A
n g s t davor haben, Auswege aus
der Gefahr zu erkennen und zu beschreiten, als in der Gefahr unterzugehen. So
werden die Überbringer guter Bot-schaften, die Überbringer von
wissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen, die den Ausstieg aus der
Gefahr erleichtern würden, häufig nicht beachtet und sogar verfolgt, obwohl
sie eigentlich freudig begrüßt und belohnt werden müßten. Es sieht oft so
aus, als würden wir als Kollektiv unseren Untergang fast bewußt planen, um
nicht dem Leben und damit auch dem Tod passiv ausgeliefert zu sein. Das ist die
Psychologie des Selbstmords. THEA
BAURIEDL Die meisten Menschen
wollen nicht eher schwimmen als bis sie es können. NOVALIS Um den auf uns
zukommenden Schwierigkeiten gewachsen zu sein, muß sich die Menschheit auf eine
neue Wirklich-keit vorbereiten. In absehbarer Zeit wird es der Wissenschaft
gelingen, d a n k g e n e t i
s c h e r O p e r a t i o n e
n Menschen in beliebig großen Serien mit ganz bestimmten, erwünschten
Eigenschaften zu erzeugen. Die menschliche Rasse wird sich bald vor die
entsetzliche Verantwortung gestellt sehen, entscheiden zu müssen, was sie zu
werden beabsichtigt. SALVADOR
EDWARD LURIA Zwei verhängnisvolle
wissenschaftliche Entdeckungen haben mein Leben gezeichnet; erstens die Spaltung
des Atoms, zweitens die Aufklärung der Chemie der Vererbung. In beiden Fällen
geht es um die Mißhandlung eines Kerns: des Atomkerns, des Zellkerns. In beiden
Fällen habe ich das Gefühl, daß die W
i s s e n s c h a f t eine Schwelle über-schritten hat, die sie hätte scheuen
sollen. ERWIN
CHARGAFF Tschernobyl ließ weite
Kreise erkennen, daß nicht jede Form der Energiegewinnung auch dem Nutzen des
Menschen dient. Bis dahin erschien die friedliche Nutzung der
K e r n e n e r g i e als Krönung des Industriezeitalters, das dem
Menschen endlich die E r l ö s u n g aus
aller Not bringen sollte. Wir dachten irgendwann einmal nicht mehr im Schweiße
unseres Angesichts unser Brot essen zu müssen, den Rückweg ins
P a r a d i e s und ins ewige Leben gefunden zu haben. Der Versuch die
Atomenergie als unerschöpfliche Energiequelle zu beherrschen ist vielleicht die
radikalste Materialisierung all dieser Allmachtsphantasien, wenngleich zu befürchten
ist, daß sich diese Allmachts-phantasien in dem heraufziehenden Zeitalter der
G e n t e c h n o l o g i e noch viel gefährlicher auswirken werden.
Solche Phantasien machen den Menschen scheinbar zum Herren des Paradieses, der
diesmal keiner Einschränkung unterliegt, der vielmehr hofft, ungestraft nach
den Früchten der Erkenntnis greifen zu können. THEA
BAURIEDL Die Welt der
apokalyptischen Reiter ist nicht der Krieg als männlich heroisches Schicksal,
auch nicht die Hungersnot als Versagung der Natur, oder Seuche und
T o d als Walten elementarer
Kräfte, sondern sie kann auch das Werk der verantwortungslosen Händlergesinnung
und des gottlos gewordenen Forschergeistes sein. Wir wissen heute, daß diese
beiden fähig sind, ganze Ernten zu vernichten und ganze Völker zu vergiften. GERTRUD
VON LE FORT Die heutige
Naturwissenschaft beschränkt sich auf Kopf und Hand, auf Denken und
Experimentieren, sie entspricht der Daseinstatsächlichkeit des Menschen nicht,
die ein Dasein der Ganzheit von Kopf, Herz und Hand ist, von Denken, Fühlen und
Handeln, von Geist, S e e l e und Körper.
Die heutige N a t u r w i s s e n s
c h a f t ist herzlos und deshalb
unmenschlich. Kein Wunder, daß aus ihr sachzwängig eine unmenschliche, eben
materialistische T e c h -n i k
hervorgegangen ist, die zunehmend das Leben auf der Erde und damit den Menschen
bedroht. MAX
THÜRKAUF Natürlicher
V e r s t a n d kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung
den natürlichen Verstand.
ARTHUR
SCHOPENHAUER Wissen ist
M a c h t. FRANCIS
BACON Ich weiß, daß ich
nichts weiß.
SOKRATES Es gibt wenig Leute in
angesehener Stellung, die den Mut haben zu sagen: "Davon weiß ich
nichts."
WILLIBRORD
VERKADE Es ist nicht leicht, zu
begreifen, daß man nicht begreift. MARIE
VON EBNER ESCHENBACH Noch nie wurde mit so
viel W i s s e n
so wenig gedacht wie im Zeitalter der
W i s s e n s c h a f t, die deshalb eher eine Wisserschaft ist. MAX
THÜRKAUF
Um den Willen Gottes los zu werden, haben wir das Lernen erfunden. Wir schirmen uns ab, indem wir uns hinter Fo-lianten verstecken. SØREN
KIERKEGAARD Mancher, der eine höhere
Stufe der Erkenntnis erklimmen will, gewinnt nichts als eine Verachtung der
tieferen, die ihm guten Halt gegeben hätte. LUDWIG
THOMA Wenn die Mathematiker
ausrechnen müssen, ob ein bestimmter Test nicht vielleicht die Atmosphäre in
Brand setzt, werden die nationalen Souveränitäten ein bißchen lächerlich.
Die Frage ist, welche Autorität ist unabhängig und mächtig genug, die
nationalen Staaten oder ihre Gruppierungen daran zu hindern, sich umzubringen. HEINAR
KIPPHARDT Nur ein Gott kann uns
noch retten.
MARTIN
HEIDEGGER |