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Zitatesammlung von Reinhard Frisch
Version 2004

Erkenntnis

 

Bildung und Wissenschaft:

 

Der  F o r t s c h r i t t s g l a u b e als Schutzschild gegen die Angst vor dem Tod darf nicht in Frage gestellt werden. Und so kommt es zu der eigenartigen Erscheinung, daß manche Menschen mehr  A n g s t  davor haben, Auswege aus der Gefahr zu erkennen und zu beschreiten, als in der Gefahr unterzugehen. So werden die Überbringer guter Bot-schaften, die Überbringer von wissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen, die den Ausstieg aus der Gefahr erleichtern würden, häufig nicht beachtet und sogar verfolgt, obwohl sie eigentlich freudig begrüßt und belohnt werden müßten. Es sieht oft so aus, als würden wir als Kollektiv unseren Untergang fast bewußt planen, um nicht dem Leben und damit auch dem Tod passiv ausgeliefert zu sein. Das ist die Psychologie des Selbstmords.

THEA BAURIEDL

 

Die meisten Menschen wollen nicht eher schwimmen als bis sie es können.

NOVALIS

 

Um den auf uns zukommenden Schwierigkeiten gewachsen zu sein, muß sich die Menschheit auf eine neue Wirklich-keit vorbereiten. In absehbarer Zeit wird es der Wissenschaft gelingen, d a n k   g e n e t i s c h e r   O p e r a t i o n e n Menschen in beliebig großen Serien mit ganz bestimmten, erwünschten Eigenschaften zu erzeugen. Die menschliche Rasse wird sich bald vor die entsetzliche Verantwortung gestellt sehen, entscheiden zu müssen, was sie zu werden beabsichtigt.

SALVADOR EDWARD LURIA

 

Zwei verhängnisvolle wissenschaftliche Entdeckungen haben mein Leben gezeichnet; erstens die Spaltung des Atoms, zweitens die Aufklärung der Chemie der Vererbung. In beiden Fällen geht es um die Mißhandlung eines Kerns: des Atomkerns, des Zellkerns. In beiden Fällen habe ich das Gefühl, daß die  W i s s e n s c h a f t eine Schwelle über-schritten hat, die sie hätte scheuen sollen.

ERWIN CHARGAFF

 

Tschernobyl ließ weite Kreise erkennen, daß nicht jede Form der Energiegewinnung auch dem Nutzen des Menschen dient. Bis dahin erschien die friedliche Nutzung der  K e r n e n e r g i e als Krönung des Industriezeitalters, das dem Menschen endlich die  E r l ö s u n g  aus aller Not bringen sollte. Wir dachten irgendwann einmal nicht mehr im Schweiße unseres Angesichts unser Brot essen zu müssen, den Rückweg ins  P a r a d i e s  und ins ewige Leben gefunden zu haben. Der Versuch die Atomenergie als unerschöpfliche Energiequelle zu beherrschen ist vielleicht die radikalste Materialisierung all dieser Allmachtsphantasien, wenngleich zu befürchten ist, daß sich diese Allmachts-phantasien in dem heraufziehenden Zeitalter der  G e n t e c h n o l o g i e noch viel gefährlicher auswirken werden. Solche Phantasien machen den Menschen scheinbar zum Herren des Paradieses, der diesmal keiner Einschränkung unterliegt, der vielmehr hofft, ungestraft nach den Früchten der Erkenntnis greifen zu können.

THEA BAURIEDL

 

Die Welt der apokalyptischen Reiter ist nicht der Krieg als männlich heroisches Schicksal, auch nicht die Hungersnot als Versagung der Natur, oder Seuche und  T o d  als Walten elementarer Kräfte, sondern sie kann auch das Werk der verantwortungslosen Händlergesinnung und des gottlos gewordenen Forschergeistes sein. Wir wissen heute, daß diese beiden fähig sind, ganze Ernten zu vernichten und ganze Völker zu vergiften.

GERTRUD VON LE FORT

 

Die heutige Naturwissenschaft beschränkt sich auf Kopf und Hand, auf Denken und Experimentieren, sie entspricht der Daseinstatsächlichkeit des Menschen nicht, die ein Dasein der Ganzheit von Kopf, Herz und Hand ist, von Denken, Fühlen und Handeln, von Geist,  S e e l e und Körper. Die heutige  N a t u r w i s s e n s c h a f t  ist herzlos und deshalb unmenschlich. Kein Wunder, daß aus ihr sachzwängig eine unmenschliche, eben materialistische  T e c h -n i k hervorgegangen ist, die zunehmend das Leben auf der Erde und damit den Menschen bedroht.

MAX THÜRKAUF

 

Natürlicher  V e r s t a n d  kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand.

                                            

ARTHUR SCHOPENHAUER

Wissen ist  M a c h t.

FRANCIS BACON

 

Ich weiß, daß ich nichts weiß.                         

SOKRATES

 

Es gibt wenig Leute in angesehener Stellung, die den Mut haben zu sagen: "Davon weiß ich nichts."

                                             

WILLIBRORD VERKADE

 

Es ist nicht leicht, zu begreifen, daß man nicht begreift.

MARIE VON EBNER ESCHENBACH

 

Noch nie wurde mit so viel  W i s s e n  so wenig gedacht wie im Zeitalter der  W i s s e n s c h a f t, die deshalb eher eine Wisserschaft ist.

MAX THÜRKAUF

 


Um den Willen Gottes los zu werden, haben wir das Lernen erfunden. Wir schirmen uns ab, indem wir uns hinter Fo-lianten verstecken.                  

SØREN KIERKEGAARD

 

 

Mancher, der eine höhere Stufe der Erkenntnis erklimmen will, gewinnt nichts als eine Verachtung der tieferen, die ihm guten Halt gegeben hätte.

LUDWIG THOMA

 

Wenn die Mathematiker ausrechnen müssen, ob ein bestimmter Test nicht vielleicht die Atmosphäre in Brand setzt, werden die nationalen Souveränitäten ein bißchen lächerlich. Die Frage ist, welche Autorität ist unabhängig und mächtig genug, die nationalen Staaten oder ihre Gruppierungen daran zu hindern, sich umzubringen.

 

HEINAR KIPPHARDT

 

Nur ein Gott kann uns noch retten.             

MARTIN HEIDEGGER